only AA but XXX is strictly a for-profit venture. There is no creativity here. No integrity. No love. We’re only here for the filthy lucre. There is no more beautiful word in the English language than ‘monetise’.

 

Torsun ist sie auch schon aufgestoßen, ich komme ihm jetzt aber mal zuvor:

Da schreibt Helge Peters in der HATE #4 einen Artikel über Tiqqun. Was man hierbei sehen kann ist, was übrig bleibt wenn man seine Enttäuschung über die ausbleibende Revolution durch die Früchte von 30 Jahren postmoderner Konterrevolution kompensiert: ein Aufruf zur blinden Raserei, zu einem „anti-gesellschaftlichen Aufbegehren“.

Tiqqun eignen sich als Vehikel ausgezeichnet für den Aufruf zur völligen Entsublimierung, haben sie doch eine Reihe „postsituationistisch inspirierter Texte“ veröffentlicht. (Das Peters im Zuge der Erwähnung dieser Texte in den übelsten Streberjargon „blitzgescheit“ verfällt, macht mich lachen.) So was läuft gut unter angehenden digitalen Prekari-erristen, ich nehme an wie warme Semmeln. Tiqqun lebten zudem in einer Landkommune, auch dies passt zum geforderten „anti-gesellschaftlichen Aufbegehren“; wie jeder aus eigener WG-Erfahrung wissen kann ein Ort an dem es traditionell so wenig gesellschaftlich wie sehr es gemeinschaftlich zugeht. Ebenso wird Tiqqun noch dafür bejubelt, dass sie es für nötig hielten post-9/11 noch die bewusste Konfrontation mit einem „Sicherheitsspektakel“ zu suchen, und deswegen für ihre möglicherweise wertvolle Arbeit in Theoriepraxis und Praxistheorie nicht mehr zur Verfügung stehen. Stattdessen ihr konzeptloses Gerangel um mediale Präsenz als Spektakelkritik verkaufen und Märtyrer produzieren. Und hier sind wir dann auch wieder beim Thema von Peters’ Artikel, den möglicherweise emanzipatorisch intendierten Aufruf zur „konzeptlose[n] Revolte“, oder in pomo „diffuse[n] Guerilla“, in Deutschland. In welchem man sich von der Spiegel über die (radikale) Linke bis zur NPD einig darüber ist, wer ganz konzeptlos zur Rechenschaft zu ziehen ist: der „Manager“ und seine „Gier“.

Was intendiert denn eine Praxis, die nicht (mehr) nach einem „Was tun?“, sondern nur noch nach einem „How to?“ fragen will? Das man sich ja sowieso schon einig ist: „Aber sagt das mittlerweile nicht selbst ATTAC?“.

Und so wird die blinde (weil explizit nicht lesen wollend) Raserei als die Revolution verkauft, die doch der Angriff der Klasse des Bewusstseins auf die spektakuläre Verfasstheit der Gesellschaft sein müsste. Dies allerdings nur, wenn man sich an die Klassiker der Spektakelkritik hält und deren post- und prosituationistischen Verwesungsprodukte als die radioaktiven Kadaver denunziert, die sie sind: Momente der Rekuperation der Spektakelkritik durch die Spektakel der Kunst, der Architektur, der Linken. Die wenigen Ausnahmen wie die Nexialistische Internationale und Jean-Pierre Voyer sind deshalb welche weil sie genau diese Entwicklung kritisierten.

Wenn die Denunziation der sozialen Bewegungen als integratives Moment des Spektakels als eine richtige und wertvolle Kritik herausgehoben wird, dann wäre darin aber Tiqqun selbst mit aufzuführen. Sitzt nicht die Vorstellung mit Hakenkrallen den Zustand eines „Rauschen [zu] schaffen, das sich nicht in 1 und 0 codieren lässt“ einem zutiefst spektakulären Bewusstsein auf, das aber sich als enorm spektakelkritisch verkauft? Macht es nicht misstrauisch, dass der Anführer der Gruppe, Julien Coupat, „Philosoph“ von Beruf ist, während beispielsweise Guy Debord Filmemacher war? Wo arbeitet man denn als Philosoph? An der Uni?? Natürlich wird man in solchem Umfeld ratlos in einer merkwürdigen Melange mit angriffslustig.

Und wenn man dies dann als guter UDK-Student zur revolutionären Programmatik erhebt, dann „bleibt von antideutsch eigentlich nur noch der Hass, der schon lange nicht mehr die deutsche Ideologie meint, die längst eine europäische geworden ist, sondern den Westen“, wie Juste erst jüngst über das Zeitschriftenprojekt HATE so treffend schrieb.

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